Tabellaria Fenestrata Classification Essay

Vorrede.

[Seite III]

Man darf es wohl dem Verfasser nicht eben
zur Autoreitelkeit anrechnen, wenn er sich
freut, die zehnte Ausgabe dieses Handbuchs
auszufertigen, das (– drey Nachdrücke des-
selben ungerechnet –) auch in mancherley-
Sprachen übersetzt worden, kurz, wie man
spricht, sein Publicum gesunden hat.

Es sollte dasselbe von der allgemeinen Na-
turgeschichte, gleichsam von ihrer Philosophie,
eine faßliche Uebersicht; und aus der unüber-
sehlichen Fülle der speciellern so viel des ge-
meinnützigsten und interessantesten in gedräng-
ter Kürze enthalten, als der zweckmäßige Zu-
schnitt eines, wie gesagt, auch als Leitfaden
bey akademischen Vorlesungen brauchbaren
Handbuchs gestattet. Dabey ist unter an-
dern besonders darauf Rücksicht genommen,
[Seite IV] daß dasselbe zu einem nützlichen Hülfsmittel
zum Nachschlagen, und zwar namentlich beym
Lesen von Reisebeschreibungen dienen
möchte, und dazu war denn auch das genaue
Register erforderlich, das einige tausend
Namen von merkwürdigen Naturproducten
enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs ganz
beträchtlichen Zuwachs von neuen Entdeckun-
gen oder Berichtigungen in der Naturge-
schichte, auch von eignen Ansichten und Be-
merkungen des Verfassers erhalten hat, so
gleichfalls auch diese gegenwärtige, in welcher
Folgendes aus den Vorreden zu den letzten
Ausgaben auch in dieser hier seine Stelle
finden mag.


Ich habe in den mineralogischen Abschnit-
ten, so wie im ganzen Buche, von Geschlech-
tern und den darunter begriffenen Gattungen
gesprochen. Denn daß man in der Minera-
logie die Fossilien in genera und species
eintheilt, und die genera auf deutsch Ge-
schlechter, so wie die species Gattungen
nennt, darüber ist meines Wissens unter den
gelehrten und philosophischen Mineralogen
[Seite V] Deutschlands nur eine Stimme. Und so
versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich
also in einem Theile des Buchs die Be-
nennungen von Geschlecht und Gattung in
diesem von je angenommenen Sinne brauchen
mußte, ich nicht in einem andern Theile das
Wort Gattung im verkehrten Sinne für
genus brauchen durfte, wie doch in der
That neuerlich von gar manchen deutschen
Schriftstellern in der Zoologie und Botanik
versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist,
der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer
bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben
mag: – aber wohl weiß ich, was er mit
einem solchen versuchten Eingriffe in den
Sprachgebrauch

‘“quem penes arbitrium est, et ius,
et norma loquendi“’

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte:
– daß es ihm hingegen in Deutschland nicht
an Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger
als unerwartet. – Genug indeß, daß so
viele philosophische Naturforscher und die größ-
ten unserer naturkundigen Philosophen das
verba valent sicut numi besser befolgt,
und sich also durch diese sonderbare Umstem-
pelung nicht irre führen lassen. – Und
[Seite VI] warum auch ich für meine Person es hierin
lieber beym Alten lasse, als mich an jene
Nachahmer anschließe, dafür habe ich fol-
gende Gründe:

1. Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner
Sprache kundige, deutsche Naturforscher
(– und wer es nicht weiß, der kann es aus
Adelung's Wörterbuche lernen –), was
die erste und Fundamentalbedeutung des
Wortes Geschlecht ist:

‘“Die Aehnlichkeit der verschiedenen
Gattungen der Dinge:“’

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des
Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes-
beinen an, selbst aus des seiner Sprache
höchst kundigen Luther's Bibel-Uebersetzung
lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwendung
auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der
Systematiker bringt sie nach ihren ge-
meinschaftlichen Aehnlichkeiten unter Ge-
schlechter.

2. Eben so ausgemacht und bekannt ist aber
auch, daß hingegen das Wort Gattung
von dem Zeitworte sich gatten, abstammt;
[Seite VII] und da nun im freyen Naturzustande wohl
nur die Thiere von einer species sich mit
einander fruchtbar gatten, so versteht sich also
von selbst, daß das Wort species, in dem
Sinne wovon hier die Rede ist, durch kein
anderes deutsches Wort passender und bezeich-
nender und bestimmter ausgedrückt werden
konnte, als durch Gattung.

3. Daß aber die Homonymie des deutschen
Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus
als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben
werde, ist wohl eben so wenig im Ernst zu
befürchten als bey dem lateinischen Worte
genus, das, wie wir in den Kinderjahren
in der Grammatik beym Unterschied der Worte
generis masculini oder feminini lernen,
auch statt sexus gebraucht wird.

4. Und wenn aber auch obbesagter Refor-
mator im Ernste so etwas befürchten zu
müssen meinte, so hätte er immerhin mögen
wer weiß was für ein Wort von eigener
Fabrik statt des ihm bedenklichen Geschlechts
vorschlagen; aber nichts konnte ihn berechti-
gen, die Landessprache – d.h. den bestimm-
ten einmahl festgesetzten Sinn der deutschen
Worte – (da man z.B. Menschenge-
schlecht etc. sagt so gut wie genus humanum)
zu verkehren! Denn, wie unser sel. Lich-
[Seite VIII] tenberg bey einem ähnlichen Anlaß sich
ausdrückt:

‘“Hypothesen zu machen, und sie als
seine Stimme der Welt vorzulegen,
darf niemand gewehrt seyn, sie gehören
dem Verfasser. Aber die Sprache
gehört der Nation, und mit dieser
darf man nicht umspringen, wie
man will.“’

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses
der Nation gehörige Eigenthum, habe ich
auch bey den deutschen Namen der Natura-
lien beobachtet, und mich daher immer der
allgemein angenommenen und allgemein ver-
ständlichen, nicht aber etwa der Solöcismen
einer einzelnen Provinz bedient. Darum
brauche ich z.B. nicht das hier zu Lande
gewöhnliche Wort Molle, sondern das allge-
mein angenommene Molch: eben so nicht
das im Erzgebirge gebräuchliche Wort Ko-
belt, sondern das längst allgemein adoptirte
und selbst in andere lebende und todte Spra-
chen aufgenommene Kobalt u.s.w.

Anders ist der Fall mit den in der Natur-
beschreibung von unsern neuen Systematikern
zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer
Gattungen selbsterfundenen Kunst – und
[Seite IX] Trivial-Namen. So billig und vernünftig
es freylich ist, auch hierin so viel als möglich
die einmahl ziemlich allgemein angenommenen
Benennungen beyzubehalten, so können doch
Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver-
nünftiger ist, einen vorher gewählten Namen,
wenn er einen durchaus irrigen Begriff er-
weckt, gegen einen richtigern umzutauschen.
Und doch habe ich mich dieser an sich er-
laubten, aber auch heut zu Tage so oft ge-
mißbrauchten und dann das Studium der
Naturgeschichte so äußerst erschwerenden Frey-
heit nur in äußerst wenigen Fallen, wo es
mir unvermeidlich schien, bedient. So habe
ich z.B. den Panzerthieren oder Armadillen
ihren einheimischen, allgemein bekannten und
längst von klassischen Zoologen angenomme-
nen Namen, Tatu, restituirt; da man sonst
diesen fast haarlosen Thieren durch einen
seltsamen Mißgriff den Namen, Rauchfuß,
Dasypus, beygelegt hatte, womit die alten
Griechen, ganz passend und völlig nach der
Natur, das rauchfüßige Hasengeschlecht
bezeichnet haben. – Aus ähnlichen Grün-
den brauche ich für den schönen neuseeländi-
schen Nephrit lieber seinen einheimischen
Namen (Punammustein), unter welchem
er zuerst von unsern Antipoden zu uns ge-
bracht und bekannt worden, als die ihm
[Seite X] neuerlich beygelegte Benennung Beilstein,
da ich im hiesigen academischen Museum, so
wie in den in London befindlichen großen
Sammlungen von südländischen Merkwürdig-
keiten, zwar wohl die Menge von Häcken
und andern Geräthen, so sich die Neusee-
länder aus diesem Steine bereiten, aber
schlechterdings kein daraus verfertigtes Beil
aufgefunden habe. – Eben so habe ich
diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts,
Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirk-
lich schlafenden Säugethieren das Blut aus-
saugt; da hingegen Linné diesen Namen dem
fliegenden Hund beygelegt hatte, der wohl
seit die Welt steht, kein Blut gesogen hat,
sondern sich ganz allein von Früchten nährt.
– Aber viele andere, nur nicht gar zu
unpassende Kunstnamen der Art habe ich
dennoch beybehalten, um ja nicht die
Nomenclatur und Synonymien ohne drin-
gende Noth, zur großen Last der Lernenden,
zu häufen.

Daß aber manche bekannte Namen von
Naturalien hier doch anders geschrieben wer
den, als es insgemein geschieht, hat auch
seinen guten Grund. So schreibe ich z.B.
Tofus und nicht Tophus, weil es kein
griechisches Wort ist; eben so Manaca-
[Seite XI] nit*) und nicht Menacanit, weil der Fund-
ort dieses Fossils in seiner ersten Sylbe ein
a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den latei-
nischen Namen vorausgesetzt, weil da hundert
erotische Geschöpfe vorkommen, die im Deut-
schen keinen bekannten verständlichen Namen
haben. Im Mineralreiche hingegen ist der
Fall umgekehrt. Da sind gerade die deut-
schen Benennungen die bekanntesten und selbst
großen Theils in andere Sprachen aufge-
nommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattun-
gen, die sich in Deutschland finden, wieder
so, wie in den vorigen Ausgaben, ein †
vorgesetzt. Im Mineralreich konnte dieß
unterbleiben, weil so ein Zeichen bey den
allgemein verbreiteten Fossilien überflüssig,
bey vielen von denen aber, die in Deutsch-
[Seite XII] land selbst ein sehr eingeschränktes Vaterland
haben, wie der Boracit etc. unzureichend ge-
wesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer
Gegenstände, die ich in der Verlagshand-
lung dieses Handbuchs heftweise herausgebe,
beziehen sich auf die neuesten Ausgaben des-
selben und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen
Erläuterung.

Göttingen,
im August 1820.
J. F. Blumenbach.

[interleaf]

Anweisung der Kupfertafeln.

[Seite XIII]

Tab. I.

Fig. 1-6. Die Intestinal-Würmer im mensch-
lichen Körper in natürlicher Größe.

  • Fig. 1. Ascaris vermicularis (S. 439).
  • – 2. Der Vordertheil von ascaris lumbri-
    coides. (S. 440).
  • – 3. Trichocephalus dispar (Ebendaselbst).
  • – 4. Das Kopfende der menschlichen Band-
    würmer (S. 442).
  • – 5. Vier Hinterglieder der taenia solium
    (S. 443).
  • – 6. Dreyzehn Hinterglieder der taenia vul-
    garis (Ebendas.).
  • – 7. Das Vorderstück vom Regenwurm
    (S. 441).
  • – 8. Ein Liebespfeil der gemeinen Wald-
    schnecke (S. 432) stark vergrößert.
  • – 9. Ein Stamm mit drey Federbusch-Poly-
    pen, tubularia sultana (S. 497)
    stark vergrößert.
  • [Seite XIV] Fig. 10. Ein Arm-Polype mit einem jungen,
    hydra viridis (S. 502) in natür-
    licher Größe.
  • – 11. Ein Stamm mit zwölf Blumen-Poly-
    pen, brachionus anastatica (Eben-
    daselbst) stark vergrößert.
  • – 12. Das Räderthier, furcularia rotatoria
    (S. 503) stark vergrößert.
  • – 13. Ein menschliches Samenthierchen, chaos
    spermaticum (S. 506) noch weit
    stärker vergrößert.

Tab. II.

Zwanzig merkwürdige Krystallisationen der
Fossilien.

[interleaf]

Tabellaria is a genus of diatoms (Bacillariophyta).[1] They are cuboid in shape, and the frustules (siliceous cell walls) are attached at the corners so that the colonies assume a zigzag shape.

Further reading[edit]

Mou, Daiqing; Stoermer, Eugene (1992). "SEPARATING TABELLARIA BACILLARIOPHYCEAE SHAPE GROUPS BASED ON FOURIER DESCRIPTORS". Journal of Phycology. 28 (3): 386–395. doi:10.1111/j.0022-3646.1992.00386.x. 

Potapova, Marina (October 2011). "Tabellaria vetteri: a New Diatom". Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. 163 (1): 35–41. doi:10.1635/053.161.0102. 

Knudson, Brenda M (July 1952). "The Diatom Genus Tabellaria: I. Taxonomy and Morphology". Annals of Botany. 16 (63): 421–440. ISSN 0305-7364. 

References[edit]

External links[edit]

  1. ^Hoek, C. van den; Mann, D. G.; Jahns, Hans Martin (1995). Algae: an Introduction to Phycology. Cambridge: Cambridge University Press. ISBN 0-521-31687-1. 

0 Thoughts to “Tabellaria Fenestrata Classification Essay

Leave a comment

L'indirizzo email non verrà pubblicato. I campi obbligatori sono contrassegnati *